Der Wiederaufbau des Seetempels von Gustav Nagel: Diese Idee ist bekannt. Es gibt aber noch weitere Vorstellungen für das Grundstück. Die Volksstimme gibt einen Überblick.

Von Christian Ziems Quelle: Volksstimme

Arendsee – Wie lässt sich das Gustav-Nagel-Areal für den Tourismus besser nutzen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Einheimische bereits seit Jahrzehnten. Der Förderverein, der sich um das städtische Areal kümmert, hat nun Grundlagen gelegt. Mögliche Potenziale wurden ermittelt.

Claudia Richter-Pomp (links) und Antje Pochte sprachen beim Gustav-Nagel-Tag im Juli 2021 über Umgestaltungsideen. Im Hintergrund sind Reste der Nagel-Bauten zu sehen. Foto: Christian Ziems VOLKSSTIMME

Kulturwissenschaftlerin Claudia Richter-Pomp von KulturLandTourismus (Lüneburg) und Planer Jan Bauditz (Berlin) schauten sich vor Ort genauer um und kamen mit Privatpersonen sowie Unternehmen ins Gespräch. Entstanden ist eine Machbarkeitsstudie mit dem langen Namen „Zur Sicherung und touristischen Nutzung des Erbes von Gustav Nagel in Arendsee“. Der Aufbau des Seetempels spielt dabei eine Rolle, aber dies ist nur ein Detail.

Elf Punkte wurden ermittelt, mit denen die Ideen des Wanderpredigers nähergebracht werden und gleichzeitig Touristen am See diese genießen sowie etwas für den Alltag mitnehmen können. Darüber informierte Claudia Richter-Pomp bei einer Sitzung des Bauausschusses. Dafür warben zudem Planer Jan Bauditz und Antje Pochte vom Vorstand des Gustav-Nagel-Fördervereins.

Ein kleiner Garten wie im Paradies

Für eine Umsetzung wurden bereits mögliche Partner mit ins Boot geholt. Dazu gehört Christa Ringkamp vom Landhof Neulingen. Sie hat viel Erfahrung beim Thema Garten in allen Facetten. Und auch Gustav Nagel nutzte die Fläche am See für die Ernährung, er hatte zum Beispiel einige Apfelbäume. Darum wurde das Einrichten eines Paradiesgartens genauso wie der Seetempel mit der Priorität „Hoch“ eingestuft. In der aktuellen Machbarkeitsstudie ist aufgeführt, wie dieser aussehen könnte. Er soll im Sinne von Nagel regionaltypisch, vielfältig sowie pflegeleicht sein.

So ist zum Beispiel ein „wildes Eck“ eingeplant, in dem die Pflanzen wuchern können. Um einen möglichst großen Gartennutzen zu erzielen, ist ein Komposthaufen unverzichtbar. Dieses spezielle Thema beschäftigte Gustav Nagel. Wie Heimatforscherin Christine Meyer in ihrem Buch über den Naturapostel festhielt, schlug er einst eine zentrale städtische Kompostierung vor. Diese Idee stieß bei den damaligen Arendseer Verantwortlichen aber nicht auf fruchtbaren Boden.

Vorhandene Ressourcen möglichst gut nutzen

Nagel war damit seiner Zeit ein Stück voraus. Heutzutage gibt es eine zentrale Lösung. Grünschnitt kann mittwochs (15 bis 16 Uhr) und sonnabends (9 bis 12 Uhr) auf dem Gelände des Wirtschaftshofes abgeladen werden. Daraus entsteht dann Erde, die für Gärten und Felder verwendet werden kann. Allerdings nicht vor Ort. Der Grünschnitt wird für die Kompostierung mit Lkw zur Deponie nach Gardelegen gefahren und damit Kraftstoff verbraucht.

Das Thema Komposthaufen ist ein Beispiel dafür, dass Lebensdetails des Wanderpredigers weiter aktuell sind. Und diese sollen – so wünscht es sich der Verein – mehr in die Öffentlichkeit. Grundlage ist ein Wiederaufbau des Areals. Die Konzeption sieht für den Paradiesgarten Projekte mit Schulklassen sowie Führungen – auch für Erwachsene – vor. Der Arealbereich soll über einen Barfußweg, der bereits vorhanden ist, am Seesteg münden. Dieser könnte, genauso wie der angrenzende Seetempel, bis 2024 fertig sein. Dann jährt sich Nagels Geburtstag zum 150. Mal.

Allerdings steht die Finanzierung noch nicht. Knapp 170 000 Euro sind nötig. Es könnten Fördermittel von der Europäischen Union (90 Prozent) fließen, wenn die Einheitsgemeinde als Grundstückbesitzer einen Antrag stellt. Die Kommune müsste den Eigenanteil tragen. Wie Bürgermeister Norman Klebe gegenüber der Volksstimme durchblicken ließen, sieht es danach zumindest 2022 schlecht aus. Am See hat die Tribüne Vorrang. Für 150 000 Euro soll aus der Konstruktion eine Plattform mit Bar werden. Was das Nagel-Areal angeht, könnte der Bauausschuss am heutigen Dienstag, 11. Januar, ab 19 Uhr im Rathaus über weitere Schritte beraten. Und zwar im Rahmen der anstehenden Haushaltsdiskussion.

Prioritäten

  • Hoch: Seetempel, Steg, Eingangstor, Kassenhäuschen, Paradiesgarten und Kurhalle (Privatbesitz).
  • Mittel: Sitzbank, Seemannsgrab und Wohnbaracke.
  • Gering: Harmoniumhäuschen und Schwanenhaus.

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