Die Autorin Heike Behrend liest aus ihrem Buch „Gespräche mit einem Toten. Gustaf Nagel, Prophet vom Arendsee“
Mittwoch, 06. Mai 2026
um 14:30 Uhr
„Als die Ethnologin Heike Behrend nach der Wende das Haus ihres Großvaters besucht, stößt sie am Arendsee in der Altmark auf den christlichen Propheten Gustaf Nagel, der 1874 im Kaiserreich geboren wurde und 1952 in einer Irrenanstalt in der DDR starb. Als Teil der Lebensreformbewegung war der deutschnationale Prophet sein Leben lang vielfältiger Verfolgung ausgesetzt. Anhand seiner Selbstbilder auf Postkarten und seiner Texte, die lokale Heimatforscher bereits zu DDR-Zeiten gesammelt und archiviert haben, sowie in Gesprächen mit ihnen und dem Toten entwirft Heike Behrend Gustaf Nagels Biografie.

Sie erzählt darin auch von Konflikten, von Zusammenarbeit und Freundschaft in einer Gegenwart, in der die Enttäuschung und Unzufriedenheit über die Wiedervereinigung auch bei den Bewohnern der Altmark in neuen Formen der Selbstbehauptung ihren Ausdruck findet. Im Dialog mit ihnen lernt sie nicht nur, in ihren Fragen die eigene Fraglichkeit zu erkennen, sondern auch, was es heißt, gemeinsam und solidarisch ethnografisches und historisches Wissen zu erzeugen.“ Aus der Beschreibung zum Buch Zur Autorin: „Heike Behrend, 1947 in Stralsund geboren, studierte Ethnologie und Religionswissenschaft in München, Wien und Berlin. Sie arbeitete ethnografisch vor allem in Ostafrika, unterrichtete an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland und lebt in Berlin.“ (aus der Beschreibung zum Buch)
Ort: Glockengarten Salzwedel
Gebührenfrei
Von Christian Ziems
#Arendsee. Nachdem der in Neulingen gedrehte Film „In die Sonne schauen“ weltweit für Aufsehen sorgte, gibt es nun ein weiteres Werk, das deutschlandweit bekannt wird. Denn „Gespräche mit einem Toten. Gustaf Nagel, Prophet vom Arendsee“ ist für den Deutschen Sachbuchpreis 2026 nominiert worden.
Und da der Luftkurort bereits auf dem Titel mit Namen genannt wird, dürfte die Bekanntheit unter Literaturfreunden, die sich vielleicht nach dem Lesen in der Altmark umschauen möchten, steigen. 239 Bücher aus 132 Verlagen wurden vorgeschlagen. Das Werk von Heike Behrend ist unter den besten acht und damit in der Finalrunde. Die Entscheidung trifft eine Jury. Das Ergebnis wird während der Preisverleihung am 8. Juni im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Hamburg bekanntgegeben.
Die Vorfreude bei Heike Behrend und dem Nagel-Förderverein ist schon jetzt groß – die Spannung wächst. Das Buch sei eine „kluge wie gut lesbare Analyse, die zeigt, wie Krisenerfahrungen, Orientierungssehnsucht, alternative Lebensentwürfe, Medieninszenierung und Heimatdiskurse ineinandergreifen“, hat die Jury eine erste Einschätzung gegeben.
Es gibt bereits einige Bücher über Gustaf Nagel (1874 bis 1952). Mit Lebensdaten, Fotografien, Gedichten, Liedern und Anekdoten. Das Besondere in diesem Fall: Heike Behrend verknüpft in ihrem Ende August 2025 erschienenen Werk im Grunde gleich drei Biografien miteinander.
Es geht im Kern um den Arendseer Wanderprediger. Aber darüber hinaus auch um die Frage, wie die Ethnologin nach ihren Forschungen in Afrika überhaupt auf ihm kam. Und zwar durch die eigene Familiengeschichte. Beim Besuch des Hauses ihres Großvaters in der Nachwendezeit stößt sie am Arendsee auf das Thema Gustaf Nagel. Der war damals bereits einige Jahrzehnte tot, aber eben alles andere als vergessen.
Dies blieb unverändert. Ehrenamtliche kümmern sich heutzutage um das einstige Grundstück des Naturapostels am Arendsee, das der Einheitsgemeinde gehört. Regelmäßige Führungen zeigen: Interesse an ihm besteht weiterhin.
Die Autorin ging der Sache auf den Grund und wollte wissen, was dahintersteckt. In der Biografie über Gustaf Nagel steht nicht nur, wie bei ihr Interesse geweckt wurde, sondern es geht zum Dritten auch um die Arendseerin Christine Meyer. Diese forschte bereits zu DDR-Zeiten. Nach der Wende ging es so richtig in die Öffentlichkeit.
Heike Behrend freundete sich mit der Heimatforscherin an und durfte ihr Archiv für die Buchrecherche nutzen. Sie lobt die Engagierte gleich am Anfang: „Sie verhalf dem Toten zu einer Auferstehung.“ Dazu trägt die Autorin ebenfalls bei. „Wie alle Propheten – im Alten Testament, in Afrika oder im Orient – so wurde auch Gustaf ein von Mutter und Gott inspirierter Dichter und Sänger“, heißt es in dem Buch.


